Nachdem ich als letztes einen Beitrag zum GeoCaching geschrieben habe, hier nochmal etwas anderes, was sich neben dem klassischen GIS bewegt. Auf einer Fachtagung habe ich einen Beitrag zu einem Projekt gehört, das sich Open Streetmap nennt. Das Projekt hat das Ziel, mit der Hilfe von Freiwilligen eine freie Datenbank für Straßenpläne weltweit zu erstellen. Diese wird aus den gesammelten GPS-Daten der Freiwilligen erstellt.
Hierzu werden die Daten (Tracks) aus dem Handheld oder Auto-Navigationssystem ausgelesen, in das Standard GPX-Format gebracht und zunächst auf die Hompage des Projektes übertragen. Auch wenn es sich so anhört: das ist keine Hexerei und für jeden der halbwegs mit einen GPS-Handheld und einem PC umgehen kann einfach zu bewerkstelligen. Danach kann man sich eine freie Software von der Projekthomepage besorgen (z. B. JOSM) in der dann die Straßenzüge erstellt werden, die Straßennamen vergeben werden und andere POI (Points Of Interest) angelegt werden können. Die Genauigkeit ist hierbei stark abhängig von den eingesetzten Geräten und wird i. d. R. nicht schlechter sein, als bei einem normalen Navi. Die Tracks, die ich hochgeladen habe, hatten allesamt eine Genauigkeit von +/- 3m.
Man darf sich nicht vertun und annehmen, man benötige eine Genauigkeit von kleiner als 1m um mit dem Auto auf einer Straße zu fahren. Zur Orientierung reichen diese Daten allemale aus. Moderne Navigationssoftware “zwingt” die angezeigte Position des Fahrzeuges auf die Straße und das Gerät entscheidet anhand der Abweichung von der Straßenlinie, ob man sich noch auf der Straße befindet oder schon auf der Abbiegespur. Die Handhelds zeigen immer die genaue Position an, daher fällt hier schneller auf, ob man sich noch auf dem Weg befindet oder nicht. Achten Sie doch einfach mal vorsichtig bei der nächsten Fahrt mit dem Navi darauf. Aber bitte achten Sie trotzdem immer genau auf den Verkehr, damit Sie sich nicht selbst in eine gefährliche Situation bringen!!
Zu mehr ist das Kartenmaterial momentan auch nicht gedacht. Bisher gibt es noch keine Routingfunktion, d. h. ich kann keine Route planen. Allerdings kann ich die Karten auf mein GPS Gerät laden und dann bei einer Radtour oder beim Wandern sehen, wo ich mich befinde. Dabei brauche ich kein schlechtes Gewissen zu habe oder viel Geld für entsprechende Karten ausgeben. Das Kartenmaterial von Open Streetmap ist frei verfügbar.
Als ich mir den Plan angesehen habe, für den Bereich in Wanne-Eickel (Herne), in dem ich wohne, stellte ich fest, dass hier ein riesiger weißer Fleck war. Die Betonung liegt auf “war”. Mit anfänglicher Euphorie habe ich eine ganze Reihe von Straßenzügen erstellt und erfolgreich in das Projekt eingebracht. Momentan holt mich das Studium wieder ein, so dass ich meine Zeit anders verwenden muss. Sobald ich im April aber wieder ein bisschen Zeit habe und das Wetter besser wird, werde ich wieder ein paar neue Strecken hinzufügen.
Das GIS auch einen Freizeitwert haben kann, erlebe ich seit kurzem. Ein Arbeitskollege hat mich mit dem Thema GeoCaching konfrontiert. Ich habe vorher noch nicht viel davon gehört, obwohl ich mich durch meine berufliche Vergangenheit mit dem Thema GPS intensiv auseinander setzen musste.
Gesagt getan habe ich mir einen Account auf www.geocaching.com besorgt, genauso wie einen simplen Garmin etrex — ein Einsteigermodell. Und was soll ich sagen: ich bin seit ca. einer Woche offiziell angemeldet und habe mit meinen Kindern schon 6 Caches (”Schätze”) gefunden. Auch wenn wir sonst ohne dies schon viel spazieren gehen, erfahren diese Spaziergänge momentan eine besondere Aufwertung. Man sollte das Ganze sicher nicht zu ernst nehmen, aber immerhin gibt es in Deutschland rund 30.000 Caches und weltweit ungefähr 400.000 Caches. Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte, kann dies in Wikipedia tun (sehr ausführlicher Artikel) oder sich auf www.geocaching.de bzw. www.geocaching.com informieren.
Ich denke, bei den 6 Caches wird es sicher nicht bleiben. Der Urlaub auf einer beliebten Insel der Balearen sollte mindestens 2 Founds bringen! :-)
Seit einiger Zeit ist auf der Seite der Programmierer ein neuer Release von QGIS zu bekommen (www.qgis.org) — nämlich die Version 0.8.1. Das ich das überhaupt ausdrücklich erwähne liegt daran, dass ich letztens versucht habe, einen WMS-Dienst (Kartenserver im Internet) anzubinden. Da ich selbst noch eine Version 0.7 im Einsatz hatte, suchte ich den Dateityp im “Öffnen”-Dialog vergeblich.
Ein Blick auf die Homepage von QGIS brachte die Lösung meines Problems. Ab der Version 0.8 wird das Einbinden eines WMS-Layers unterstützt und funktioniert sehr gut. Einige freie WMS-Server sind unter folgender Adresse im Internet zu finden: http://www.skylab-mobilesystems.com/ger/wms_serverlist.html. Zum Ausprobieren sollte einigs dabei sein.
Gestern sind die ersten Unterlagen für die Kurse meines Studiums angekommen. Einen kleinen Schreck habe ich ja schon bekommen, da ich im Hinterkopf hatte, dass die zugesandten Materialien für jeweils zwei Wochen gedacht sind. Na ja, so gesehen sind ja vier Wochen Zeit, da der Bearbeitungsbeginn der 02.04.2007 ist. Trotzdem ist ein Stapel, der einem 500 Blatt Paket Druckerpapier entspricht recht beeindruckend.
Nach dem ersten Lesen wurde mir dann allerdings klar, dass meine erste Einsendearbeit erst Ende Mai fällig ist–das hört sich dann schon anders an. Die anderen beiden Einsendearbeiten haben sogar bis Juli Zeit. Als ich etwas weiter recherchiere, sehe ich dann, dass die Abschlußklausuren in der letzten Septemberwoche stattfinden–das geht in Ordnung!
Ich bin bisher noch nicht dazu gekommen, die Unterlagen genauer anzusehen, aber beim ersten Durchblättern, sind mir die Themen für einen Techniker wie mich, erschreckend interessant vorgekommen. Sicher, das was im Kurs ‘Grundzüge der Wirtschaftsinformatik’ drankommt ist auf den ersten Blick kaum etwas neues für mich. Vielleicht ändert sich das, wenn ich mit der Bearbeitung beginne. Damit möchte ich mir nämlich gerade am Anfang nicht zuviel Zeit lassen, da ich jetzt noch den Luxus habe, verschiedene Vorgehensweisen auszuprobieren, ohne dabei viel Zeit zu verlieren. Später muss das glatt laufen und auch mal eine unerwartete Planänderung durch die Familie abkönnen. Mit einem geschätzten Aufwand von ca. 12 Stunden in der Woche sollte ich klar kommen, auch wenn daraus mal 15 Stunden werden. Ich denke für die Informatikthemen werde ich weniger Zeit brauchen. Die kann ich dann bei den Wirtschaftsthemen einsetzen.
Vielleicht komme ich heute mal dazu, mir den ersten Packen etwas genauer anzusehen. ‘Einführung in BWL’ und ‘Grundzüge der Wirtschaftsinformatik’ sind die ersten Einsendearbeiten. Fangen wir also damit an …
Unter diesem Motto könnte man meinen Entschluß sehen, mit Mitte 36 nochmal ein Studium zu beginnen. Bis jetzt waren alle meine Aus- und Weiterbildungen sehr technisch orientiert. Aber gerade, weil ich mich in letzter Zeit immer mehr mit dem wirtchaftlichen Aspekt von Geodaten beschäftigt habe, möchte ich mein Wissen weiter vertiefen. Da die Geoinformatik diese Aspekte in meinen Ausgen nicht ausreichend beleuchtet, werde ich also als Fernstudium die Wirtschaftsinformatik beginnen.
Die ganze Veranstaltung wird ca. 9 Semester dauern und als Abschluß den Bachelor of Sience bringen. Da ich nicht die Möglichkeit habe, in Teilzeit zu studieren, blieb mir nur der Weg über das Fernstudium. Mich selbst zu motivieren fällt mir nicht schwer. Und die Teilzeitform des Fernstudiums lässt mir genug Spielraum, die geforderten Ergebnisse neben dem Beruf zu bringen.
In meine Augen steckt hinter der Aussage “Unternehmensinformationen sind in den meisten Fällen georeferenzierbar.” mehr als manch einer vermutet. Viele Unternehmen haben dies schon für sich erkannt und nutzen die Geoinformationen in verschiedenen IT-Systemen als Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Unternehmen wie Versicherungen nutzen Simulationsmodelle, um Schäden durch Naturgewalten einschätzen zu können. Das dies noch nicht so eindeutig ist, wie es sollte, kann man in der Fachpresse von ESRI lesen. Eine solche recht grobe Einschätzung ist aber allemal besser, als garkeine.
Im April wird es dann mit dem Studium losgehen. Ich werde diesen Blog auch nutzen, um über meine Erfahrungen mit dem Studium und den Aspekten der Wirtschaftsinformatik für die Geoinformatik berichten. Ich erwarte mir vom Studium einen deutlich besseren Einblick in die wirtschaftlichen Zusammenhänge und die Möglichkeiten der Verknüpfung von Unternehmensinformationen mit einer Koordinate. Viele Aspekte werden erst wirklich deutlich und bringen erst den vollen Umfang der Information zu Tage, wenn man eine einzelne Information aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Da mir bisher keine echte Tiefe in die wirtschaftliche Bedeutung bringen konnte, werde ich das Studium genau unter diesem Gesichtspunkt verstehen.
Man könnte jetzt anmerken: “Warum denn dann kein klassisches BWL-Studium?” Dafür bin ich trotzdem noch zu sehr mit der IT verbunden und möchte hier auch weiterhin meinen klaren Schwerpunkt sehen. Trotzdem möchte ich einen größeren Blickwinkel und einen besseren Überblick über die hinter einer Handlung stehende betriebswirtschaftliche Motivation bekommen. Wenn man jetzt die Inhalte des Studiums betrachtet, decken sich diese genau mit meinen Vorstellungen.
Führen wir die Diskussion noch etwas weiter, müssen wir in diesem Zusammenhang zwangsläufig auch über Location Intelligence und Business Intelligence sprechen.
Mit Intelligence ist hier keinesfalls die mögliche Übersetzung “Intelligenz” gleichzusetzen! Es handelt sich hier in diesem Zusammenhang um das Zusammentragen, Ordnen und Auswerten von verfügbaren Informationen, um daraus Schlüsse ziehen zu können.
Location Intelligence ist ein Begriff, der vom Softwarehaus MapInfo (mit gleichnamigem Produkt) gerne benutzt wird. Während sich die Begriffe aus dem Posting “Geomarketing / Business GIS” entweder mehr um die internen Angelegenheiten des Unternehmens kümmern, oder fast zu 100% auf den Kunden ausgerichtet sind, erscheint mir die Location Intelligence eine Mischung aus diesen beiden Begriffen zu sein. Es werden sehr wohl die Daten über Kunden analysiert, aber nicht ausschließlich zum Zweck des gezielten Marketings. Vielmehr wird aus den Erkenntnissen auch auf neue Standorte von Filialen, Antennen o. ä. geschlossen. Wenn erstmal die wichtigsten Daten zusammengetragen sind, kann man mit der geeigneten Software auch Szenarien für die Zukunft entwerfen oder zumindest eine Prognose wagen, unter Einbeziehung aller relevanten Daten. Hierbei werden aber alle Daten georeferenziert bzw. geocodiert.
Einen Schritt weiter geht hier die Business Intelligence, die meiner Meinung nach alle bisher genannten Aspekte umfasst. Es werden gleichermaßen firmeninterne Informationen ausgewertet als auch Informationen über Kunden. Die Ergebnisse werden für die Überprüfung und Verfeinerung interner Unternehmensziele genauso genutzt, wie zu einem optimierten Kundenverhältnis (Werbung, Ermittlung von Neukunden).
Auf der folgenden Folie habe ich versucht die verschiedenen Aspekte eines GIS bezüglich der Schwerpunkte einzuordnen.
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Das klassische GIS ist hier ganz klar in der Aufgabe der internen Bestandsverwaltung zu sehen. Durch die Weiterentwicklung der Systeme ist heute keine reine Kartographie mehr angestrebt. Wenn die Aspekte der Kartographie schmückendes — wenn auch notwendiges — Beiwerk sind und die Aktivitäten sehr kundenorientiert sind, würde ich von Geomarketing sprechen. Deshalb ist dieses rechts oben angeordnet. Sind die innerbetrieblichen Aspekte genauso wichtig, wie die zu den externen Kunden und fließen ökonomische Daten genauso in das System ein, wie raumbezogene Informationen, spricht man von einem Business GIS. Irgendwo dazwischen würde ich die Location Intelligence ansiedeln. Sie bemüht zwar auch Karten, um Informationen darzustellen, der innerbetriebliche Aspekt, sowie die Kartographie rücken aber etwas mehr in den Hintergrund. Der Begriff, der alle Aspekte solcher Werkzeuge zur innerbetrieblichen und kundenspezifischen Erkenntnisfindung zusammenfasst, ist in meine Augen die Business Intelligence. Da hier meiner Meinung nach zwar gleichermaßen betriebliche als auch den Kunden betreffende Informationen herangezogen werden, aber die kartographischen Daten zumindest quantitativ geringer sind, orden ich diesen Begriff etwas mehr auf der Seite der Ökonomie ein.
Wenn man das Ziel, welches man mit dem möglichen Einsatz einer solchen Software verfolgt, hier wiederfinden und einordnen kann, findet sich recht schnell die Kategorie von Software die man benötigt. Es handelt sich hier lediglich um einen Schwerpunkt der Software. Man sollte vor der endgültigen Entscheidung in Betracht ziehen, möglicherweise mehr als nur die gesetzen Ziele mit der Software abzudecken. Hierbei sind interne Controllingfunktionen angesprochen. Wenn man die Kunden georeferenziert hat, kann man ebensogut über Routingfunktionen die Touren des Vetriebs oder der Auslieferung optimieren. Zu den bisher nur angesprochenen Aspekten (Controlling usw.) später mehr.
Der Begriff Geomarketing wird im englischen Sprachgebrauch nicht benutzt. Hier verwendet man den Begriff Business GIS. Die beiden Begriffe sind zwar ähnlich, unterscheiden sich aber dennoch. Geomarketing ist ganz klar auf die gezielte kundenorientierte Vermarktung von Produkten ausgerichtet. Business GIS umfasst hier auch produktionsrelevante Aspekte. Ebenso ist der Ursprung der Begriffe unterschiedlich: Geomarketing kommt eher aus dem Bereich geographisch orientierter Ökonomen, Business GIS eher aus der Wirtschaftgeographie. F. Schüssler definiert den Begriff Geomarketing deshalb so:
“‘Geomarketing’ bezeichnet die Planung, Koordination und Kontrolle kundenorientierter Marktaktivitäten mittels Geographischer Informationssysteme; somit werden Methoden angewendet, welche den Raumbezug der untersuchten Daten herstellen, analysieren und darstellen können” (SCHÜSSLER 1997).
Angefangen hat wohl alles mit Wandkarten, bunten Stecknadeln und Bindfäden. Hiermit wurden Bereiche auf Karten definiert, die den Einzugsbereich von z. B. Unternehmen oder Geschäften kennzeichnen. Anhand dieser Methode konnte man schon ganz gut sehen, ob irgendwo noch weiße Flecken waren, denen man besonderes Augenmerk schenken sollte. Aber die Möglichkeiten dieser Methode waren auch recht begrenzt. Externe Daten konnten nur schlecht in den Karten dargestellt werden und mussten trotzdem wieder in Listenform zur Auswertung herangezogen werden.
Mit der seit Ende der 70′er bis heute anhaltenden rasenden Entwicklung von Computerhardware und immer besserer Software kann diese Lücke aber immer schneller und effektiver geschlossen werden. In den späten 70′ern wurden in Großbritannien erste Untersuchungen unter dem Gesichtspunkt “Geomarketing” gestützt durch die damals verfügbare Technologie angestellt.
Um für das Geomarketing geeignet zu sein, muss ein GIS nur rudimentäre kartographische Funktionen mitbringen. Viel wichtiger sind Funktionen zur Verschneidung der Daten, sowie möglicherweise Routingfunktionen und Hilfsmittel zur Interpolation. Als Anwendungsfelder des Geomarketing kann man folgende Bereiche als Beispiele auflisten:
Einzelhandel
gezielte Bewerbung der Kunden in einem optimierten Einzugsbereich
Vertrieb
optimierung und Steuerung des Aussendienstes
verbessertes Franchising
Medien
Optimierung des Lokalteile in Zeitungen
gezielte Steuerung von Beilagen (z. B. Werbung)
Die Vorteile des computergestützen Geomarketing mit einem GIS liegen auf der Hand. Erst durch die Erfassung und Georeferenzierung spezifischer Daten, können komplexe Karte und kombinierte Inhalte effizient und in kurzer Zeit erstellt werden (Visualisierung). Die verfügbaren Daten steigen bezüglich Ihres Volumens durch einen qalitativen und quantitiven Zuwachs. Hardwarekosten spielen heutzutage keine wesentliche Rolle mehr, da ein Desktop GIS auf nahezu jedem gängigen PC betrieben werden kann. Die größten Kosten werden durch die LIzenzen für Software und externe Daten produziert. Durch die kurzen Berechnungszeiten für Analysen und Verschneidungen kann die beste Lösung aus einer Reihe von möglichen Ansätzen durch Herantasten (trial-and-error) ermittelt werden.
Also, wenn ihre Daten alle irgendwie einen räumlichen Bezug haben und sie immer noch kein GIS-ähnliches Werkzeug benutzen, verschenken sie mehr potenziellen Gewinn als sie bisher annehmen. Sie sollten ihre ganzen Listen durchsehen, um darin fegliche mit den Objekten verknüpfbare Information zu finden. Sie werden der Konkurrenz einen Schritt voraus sein. Verschwenden sie die Information nicht! ;-)
QGIS (Quantum GIS) ist, wie erwähnt, ein freies GIS. Es ist eine Qt/C++ Anwendung (Anm.: und keine Java-Anwendung, wie ich zuvor behauptete. Dank nochmal an hotti! Geändert am 04.04.2007) und ist damit in jedem Betriebssystem einsetzbar, für das Qt verfügbar ist. Ob das auch für alle PlugIns gilt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich setzte QGIS unter Linux und unter Windows ein. Von der Herstellerseite (s. o.) lässt sich QGIS kostenlose herunterladen. Hier findet man auch die englische Dokumentation und die üblichen Foren, in denen man weitere Hilfe bekommen kann.
Die Installation läuft auf einem Windows-PC problemlos und schon nach wenigen Minuten kann man mit seinem ersten Projekt starten. Idealerweise hat man schon ein oder mehrere Shape-Files von den eigenen Daten. Wenn nicht, kann man sich eine Beispieldatei aus dem Internet besorgen. Googeln hilft! :-) Danach, würde ich vorschlagen, “spielt” man erstmal mit dem System herum, um sich mit den Funktionen und der Oberfläche vertraut zu machen.
Die Oberfläche der Version 0.7.4 ‘Seamus’ ist auf deutsch verfügbar und stellt den Anwender vor keine großen Probleme sich zurechtzufinden. Eine deutsche Übersetzung der Anleitungen (Install-/User-Guide) wird für die Version 0.8 verfügbar sein. Für eine ausführliche Übersicht aller Funktionen sollte eine der Anleitungen herangezogen werden. Ich werde hier möglicherweise einen eingeschränkten Blick auf die Software haben, da ich nicht alle Funktionen benötige und dies kein Produkttest ist. ;-)
Ich lege, gemäß meiner Gewohnheit, erstmal ein zunächst leeres Projekt an. Dann öffne ich ein paar Shape-Files mit Straßen, Gebäuden und Flüssen. Diese werden vom System mit einer zufälligen Farbe angezeigt. Die lässt sich aber ändern und wird dann in der Projektdatei festgehalten. Sollen mehrere Leute auf dasselbe Projekt zugreifen, kann man die Projektdatei schreibgeschützt in einem allgemein zugänglichen Verzeichnis im Netzwerk ablegen. Ohne das Änderungen an den Einstellungen möglich sind, kann dann jeder mit dieser Datei arbeiten. Sind Änderungen an den Einstellungen in QGIS gewünscht, muss man sich über Alternativen unterhalten. So hat nur der Administrator die Möglichkeit neue Layer dauerhaft hinzuzufügen oder diese komplett aus dem Projekt zu entfernen.
Nach einiger Zeit reizt es mich doch zu sehr, die Datenbankanbindung zu testen. Aber wo krieg ich jetzt eine Tabelle für die Datenbank her? Nichts leichter als das! :-)
QGIS bietet eine Importschnittstelle für Shapefiles in eine PostGIS-Datenbank als Standard-PlugIn. Da hat doch mal einer mitgedacht. Gesagt, getan, habe ich meine drei Shapefiles in die Liste der zu importierenden Dateien eingefügt. In sehr kurzer Zeit sind die Daten eingelesen und stehen ab sofort unter PostgreSQL/PostGIS zur Verfügung.
Der Vorteil liegt auf der Hand: ich benutze jetzt die Daten, um Sie in QGIS anzuzeigen und evtl. auch geometrisch zu verändern. Möglicherweise sind in der Datenbank aber noch Tabellen abgelegt, die einen Bezug zu meinen Objekten haben — idealerweise über eine Art ID. Damit kann ich diese Daten ebenfalls heranziehen oder andere können — bei Kenntnis der SQL-Syntax — ihre Sachdaten in einen räumlichen Bezug setzen, ohne dafür QGIS zu benutzen.
Ein Beispiel:
Ich habe eine Tabelle mit den geografischen Informationen zu Gebäuden. Da diese Tabelle möglichst weit normalisiert — man könnte auch sagen: vereinfacht — ist, enthält sie keinerlei weitere Informationen als die Geometrie und eine eindeutige ID. Diese ID kommt ursprünglich aus einer Tabelle mit Sachdaten zu den Gebäuden. Ohne es bisher selbst getestet zu haben, soll man jetzt in PostgreSQL eine entsprechende Abfrage für einen View (eine Art dynamische Tabelle, basierend auf einer SQL-Abfrage) erzeugen können, der die Sachdaten mit den Geometriedaten auf Grund der ID verbindet. Wenn man jetzt den View zur Anzeige der Gebäude benutzt, müssten theoretisch beim Öffnen der Attributtabelle auch die Sachdaten angezeigt werden.
Auf der anderen Seite möchte ich einfach nur die Information haben, welche weiteren Objekte oder POI (Points Of Interest = interessante Ort, d. h. georeferenzierte öffentliche Einrichtungen, Geschäfte, Parks etc.) im Umkreis von z. B. 500m um mein Objekt herum zu finden sind. Da ich eine solche Tabelle in meiner Datenbank abgelegt habe, kann ich jetzt über eine geometerische SQL-Abfrage diese Objekte ermitteln und in einer Liste ausgeben lassen. Ich denke, man kann die Abfrage sicher noch so erweitern, dass man die Entfernung (Luftlinie) mit ausgeben kann. Wenn man jetzt in einer Tabellenkalkulation die Liste mit einer entsprechenden Funktion um eine Spalte erweitert, kann man sich beispielsweise diese Entfernung als Zeit für einen “Fussmarsch” ausgeben lassen.
Möglichkeiten ohne Ende, wenn man erstmal die Tragweite solcher Informationen erkannt hat. Ich werde später weitere Ausführungen zum Umgang mit QGIS, PostGIS und PostgreSQL machen … versprochen! :-)
Da ich von “meinem” GIS auf der Arbeit weiß, dass man sich mit dem reinen Anzeigen von Objekten nicht begnügen wird, wollen wir das Ganze doch von vornherein sauber aufsetzen. Wenn Daten im Netz verfügbar sein sollen, warum denn dann nicht alle Daten zu den Objekten und wirklich zentral. PostGIS ist eine freie Erweiterung von PostgreSQL um geografische Objekttypen und Funktionen. PostgreSQL ist genauso frei und kostenlos wie PostGIS. Dabei ist PostgreSQL ein sehr mächtiges Datenbanksystem, was mit den meisten großen kommerziellen Produkten mithalten kann. Soll heißen, man kann PostgreSQL auch als Datenspeicher für alle anderen Tabellen und tabellenartigen Informationen benutzen, auf die verschiedene Leute gleichzeitig zugreifen sollen. Das ist sowieso immer eine gute Idee. :-)
Der PostgreSQL-Server kann hierzu auf einem Linux- oder Windows-Server installiert werden. Ich bevorzuge Linux, da man dann mit Sicherheit einen älteren, möglicherweise ausgemusterten, Server wieder reaktivieren kann. Selbst für eine gute Performance der Datenbank ist hier kein DualCore Pentium “irgendwas” nötig. Eine Maschine mit RAM ab 1GB und einem Pentium mit etwa 1GHz tut hier gute Dienste. Die Festplatte kann man dann entsprechend dem geschätzen Datenvolumen, zzgl. einem gewissen Spielraum, ausrichten.
Und dann geht’s endlich los. Zunächst besorgt man sich den aktuellen Quellcode von PostgreSQL von der Homepage. Je nach Betriebssystem sollte man den beiliegenden Installationsanweisungen folgen. Den Quellcode braucht man, um später PostGIS installieren zu können. Also bitte keine fertigen Packete ohne Quellcodes nehmen! Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, sollte das Compilieren und Installieren von PostgreSQL problemlos funktionieren. Anschließend nimmt man sich PostGIS vor und verfährt ebenfalls wieder, wie in der Installationsanleitung beschrieben. Ich hatte anschließend nur das Problem, das ein bestimmtes Shared-Object (’irgendwas’.so) nicht gefunden wurde. Ich habe das dann manuelle in das Lib-Verzeichnis des PostgreSQL-Quellcodes kopiert, und siehe da… Wenn PostGIS erzeugt ist, werden die SQL-Dateien für die eigentliche Erweiterung von PostgreSQL erzeugt, die man dann nach Anleitung in seiner Geodatenbank (vorher erzeugte Datenbank in PostgreSQL) ausführt. Jetzt steht der Arbeit mit der geospatial Extension (geografische Erweiterung) von PostgreSQL nichts mehr im Wege.
Nach diesen Schritten habe ich noch schnell den Test in den FAQs von PostGIS durchgeführt und war begeistert, wie einfach man jetzt auf seine Geodaten zugreifen kann. Als “Aushilfsprogrammierer” fallen mir sofort eine Menge von SQL-Abfragen ein, die ich demnächst mal mit meinen Demodaten ausführen werde.
Noch eine Empfehlung: damit man auch von Windows aus, bequem auf der PostgreSQL-Server zugreifen kann, sollte man die Admin-Tool PgAdmin III installieren. Und für alle, die sich nicht von MS Access trennen wollen oder können, muss auf diesen PCs der ODBC-Treiber installiert sein, der solcher Software eine Verbindung zu PostgreSQL ermöglicht.
Und jetzt sollt man erste Schritte mit der Anbindung dieser Geometrie-Tabellen an QGIS unternehmen.
Neben den kommerziellen Produkten sind in den letzten Jahren auch freie GIS Systeme entwickelt worden. Diese stehen im allgemeinen als Open Source zur Verfügung. Manch einer mag jetzt schon denken: “Ach, lieber nicht!”.
Das aber ein System wie GRASS vom amerikanischen Militär entwickelt wurde, spielt hier eine wichtige Rolle. Man merkt GRASS zwar an, dass es nicht auf eine schöne Oberfläche abzielt, dafür ist die Funktionalität in der Auswertung rasterhafter Daten nahezu unschlagbar. GRASS wird erfolgreich für die Simulation von Hochwasser und Waldbränden eingesetzt. Schon der Beispieldatensatz (Spearfish) bringt dem testenden Anwender einen guten Einblick, was sich mit dem System alles anfangen lässt.
Für meine Zwecke besser geeignet sind die Systeme Jump/OpenJump und Quantum GIS, da sie Vektororientiert sind. Die Sachdaten einzelner oder einer Menge von Objekten werden tabellarisch angezeit. Jump/OpenJump hat eine Java-basierte Oberfläche, welche entweder mit einem eigenen Format für die einzelnen Layer arbeitet, oder aber bequem ESRI Shape-Files– um ein gängiges Format zu nennen– lesen kann. Quantum GIS hat eine Qt-basierte Oberfläche und besitzt ansonsten sehr ähnliche Funktionen wie Jump/OpenJump. Beide Systeme lassen sich auf den meisten gängigen Betriebssystemen installieren. Ebenso können von beiden Systemen (das gilt auch für das o. g. GRASS) PostGIS-Datensätze gelesen und angezeigt werden. Auf die Objektdaten kann dann in der Anwendung zugegriffen werden. Die Verbindung wird aus dem jeweiligen System heraus hergestellt. Die entsprechenden Layer werden wie jeder andere Layer in der Oberfläche/Workbench angezeigt. Die Datensätze können bei der Verknüpfung mit dem System mit einer Beschränkung auf SQL-Basis versehen werden, um aus einer großen Menge von Datensätzen gezielt solche herauszufiltern, die einem bestimmten Kriterium entsprechen.
Ich werde später noch auf jedes einzelne System eingehen. Die Anbindung an eine externe und freie Datenbank bietet dem Anwender eine große Flexibilität. Dieser Punkt trifft sehr wohl auch auf die kommerziellen Produkte zu, die Schnittstellen zu verschiedenen Datenbanksystemen bieten. Der Anwender kann auf einen zentral verwalteten und ebenso zentral gepflegten Datenbestand zugreifen. Hierzu muss er nicht zwangsläufig ein GIS bemühen, um an die Daten zu kommen. Rein alphanumerische Ergebnisse können erfahrungsgemäß durch geeignete Auswertetools schneller und komfortabler erzeugt werden. Aus der Postgres-Erweiterung PostGIS lassen sich sogar unmittelbar geometrisch Abfragen starten. Die Besonderheit eines GIS ist aber die Visualisierung der Daten und das Erkennen und Auswerten von räumlichen Zusammenhängen. Dies ist in rein sachdatenorientierten Systemen nicht oder nicht ohne weiteres möglich. Diese Systeme sind sicher sehr gut geeignet, um Sachdaten zu verwalten und unternehmerische Vorgänge abzubilden. Immer dann, wenn georeferenzierte Daten (d. h. beispielsweise mit Bezug zu einer Adresse oder Koordinate) ins Spiel kommen, kann man den vollen Wert dieser Daten nur ausschöpfen, wenn man räumlichen Zusammenhänge erkennen und auswerten kann.
Ich bin derzeit in der Wohnungswirtschaft beschäftigt und bin dort verantwortlich für das GIS. Neben dem SAP-System, was sicher sehr gut für alle wohnungswirtschaftlichen Belange auf Basis der Mieter- oder Gebäudedaten geeignet ist (z. B. Vermietung), ist der Nutzen eines GIS sehr groß. Da schätzungsweise 95% der Informationen in dieser Branche einen räumlichen Bezug haben, können diese Informationen in einem GIS auf geeignete Weise dargestellt werden. Angefangen bei den Flurstücken, Gebäuden und Katasterkarten als Basisdaten, können alle Informationen zu Verträgen, Belastungen und Besonderheiten (Denkmalschutz, Immisionsschadensverzichtsbereiche) nicht nur mit ihren Sachdaten, sondern auch lagerichtig abgebildet werden. Hier kann der Anwender auf einen Blick sehen, was bei dem Objekt ggfs. zu beachten ist. Ein großes Thema, welches in den letzten Jahren unheimlich an Gewicht gewonnen hat, ist die Abrechnung von Grünflächenpflege in den Nebenkosten. Damit sind alle pflegerischen Maßnahmen gemeint, die an den Aussenanlagen eines Gebäudes vorgenommen werden und i. d. R. durch einen Unternehmer ausgeführt werden: Rasenschnitt, Heckenschnitt, Baumschnitt; aber auch Reinigungsdienst und Winter-/Streudienst.
Alle diese Informationen sind - sobald sie erfasst sind - im System abrufbar und können angezeigt und ausgewertet werden. In der Nebenkostenabrechnung konnte jahrelang der Mengenansatz der Unternehmer, z. B. beim Rasenschnitt, nicht wirklich kontrolliert werden. Eine im GIS erfasste Rasenfläche kennt ihre Grösse auf den Quadratmeter genau. Diese Grösse lässt sich intern oder in einer externen Anwendung weiterverarbeiten, so dass für ein gesamtes Pflegequatier oder aber für einen einzelnen Mieter genauestens ermittelt werden kann, wie groß diese Fläche ist. Damit ist die Abrechnung gezielter und für den Mieter gerechter durchführbar. Die Ermittlung einer Flächensumme oder einer Teilfläche kann durch geeignete Abfragen durchgeführt werden und gibt dem Anwender mit hoher Genauigkeit die Zahlen und Werte, die er erwartet.
Durch die Anbindung z. B. von Postgres als externe Datenbank kann der Anwender seine Informationen im GIS ermitteln und ggfs. mit weiteren Non-GIS-Daten (z. B. wohnungswirtschaftliche Sachdaten) aus der Datenbank erweitern. Hierdurch wird es überhaupt erst möglich, für räumlich zusammenhängende Objekte qualifizierte Aussagen zu treffen. Solange wir uns z. B. innerhalb einer Straße bewegen, sollte dies für eine “normale” Datenbank auch möglich sein. Das GIS bietet aber die Flexibilität Auswertungen für einen Bereich durchzuführen, der nicht durch geeignete alphanumerische Kriterien klassifiziert ist. Wirtschaftseinheiten, Quartiere, Siedlungen oder ähnliche raumbezogene Merkmale lassen sich alphanumerisch an die Objekte hängen. Diese können aber nur anhand einer Karte identifiziert werden und sobald man einen übergreifenden Bereich oder eine örtlich definierte Teilmenge benötigt unzulänglich sein.
Ich werde meine Ausführung zunächst hier abbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt einzelne von den o. g. Aspekten im Detail und mit Beispielen weiterführen.