Archiv für die Kategorie ‘GIS’

Funktionen rein oder raus?

Dezember 15, 2008

Letzte Woche war Upgrade-Tag (12.12.2008)! Das Unternehmen, für das ich arbeite, hat nach reiflicher Planung das Upgrade auf Version 4.1 des Smallworld GIS ins Auge genommen und eine Teststellung zum Jahresende (2008) installiert bekommen. Als GIS Sytstemadministrator bedeutet das auch, neben den notwendigen Vorbereitungen, dass für den Installationstermin und eine anschließende Testphase genug Zeit eingeplant wird. Diesmal war alles ein wenig anders. Die Teststellung wurde an meinem letzten Arbeitstag für dieses Jahr durchgeführt und meine GIS Kollegen haben in meiner Abwesenheit noch ein paar Tage Zeit, das System ein wenig kennenzulernen und auszuprobieren. Auf die Unterschiede der beiden Versionen möchte ich hier noch garnicht eingehen. Das spare ich mir für den Zeitpunkt auf, wenn ich mit dem System ein wenig mehr gearbeitet habe. Um das neue GIS gut unter Kontrolle zu halten, werde ich im Januar eine Konfigurationsschulung besuchen. Danach werde ich zu diesem Thema sicher eine Menge mehr sagen können.

Bei einem solchen Installationstermin — der mittlerweile nicht mehr im Serverraum, bei unsäglicher Lautstärke stattfinden muss, so wie noch zu Zeiten von SW GIS 2 — gibt es immer ein wenig Leerlauf, wenn Datenbanken kopiert werden oder die notwendigen Installationen von Webservern und sonstigen Diensten durchgeführt werden müssen. Um jetzt aber wirklich auf den Punkt dieses Beitrags zu kommen: während dieser Leerlaufzeiten habe ich die von mir gerne genutzten Gelegenheiten, mich mit Anderen auszutauschen, die Geoinformation beruflich betreiben und auch mal über den Tellerrand hinausschauen. In diesem Fall war der „Leidensgenosse“ Herr Christian Vogt. Er ist einer der Gesellschafter unseres Dienstleisters GIS Consult GmbH. GIS Consult (im weiteren als GC bezeichnet) betreut Unternehmen und Kommunen rund um das Thema GIS. Ich kenne das Unternehmen jetzt schon seit meinen Anfängen im GIS und habe ein durchweg positives Bild von den Kollegen dort in menschlicher und fachlicher Hinsicht. Genug Schleichwerbung! :-)

Also, eines von verschiedenen Themen, auf das wir im Laufe des Tages gekommen sind, war die Frage danach, wie und wo ich meine Geodaten ablegen kann. Aus dem Blog hier ist sicher bekannt, dass ich bei der Beantwortung dieser Frage zu Postgres/PostGIS neige. Das liegt zum Teil daran, dass PostGIS, als Geospatial-Erweiterung zu Postgres, einen großen Vorrat an OGC-konformen Funktionen mitbringt, auf die man in der Applikationsentwicklung mit z. B. PHP zurückgreifen kann. Postgres benutze ich also nicht nur als zentralen Datenspeicher für meine Geodaten, sondern nutze auch die Funktionen, die PostGIS mitbringt, um damit meine Aufgaben zu erledigen. Dies ist für mich eine sehr angenehme Variante, da ich mich sehr intensiv mit den Daten auseinander setzen kann, ohne mich um die Bereitstellung von Funktionen zu kümmern. In meinem beruflichen Umfeld verhält sich das Ganze aber z. B. genau anders herum. Wie mir Herr Vogt eindrucksvoll zeigte, lässt sich an das SW GIS 4.1 mit einem neuen kleinen Tool nahezu jede beliebige Datenquelle anhängen, die gewissen Standards genügt. Dies könnte ich bei Quantum GIS auch noch bei einem gewissen Umfang an Datenquellen erreichen. Hier habe ich allerdings das Problem der Funktionalität. Gehen wir von der Basisinstallation von Quantum GIS aus, so bringt es alles mit, um Datenquellen mit Geodaten anzuzeigen. Die Funktion ‘Pufferung’ bringt QGIS auch noch mit. Aber dann? Wonach ich hier suche, ist ein anwenderfreundliches Abfragetool, mit dem ich die Tabellen meiner Datenquellen ansprechen kann, um alphanumerische oder sogar grafische Auswertungen auszuführen. Soweit ich weiß, geht dies über eine Konsole, die ich öffnen kann, um Abfragen einzugeben. Dies erschien mir aber nicht sehr benutzerfreundlich. Das SW GIS hat hier ein anderes Konzept. Hier sind nur die Daten in der Datenbank abgelegt, welche die Aufgabe übernimmt, diese performant und komfortabel zu verwalten. In der grafischen Oberfläche des System (SW GIS Version 3.1!!) ist eine Abfrageumgebung vorhanden, welche den Anwender dabei unterstützt, Abfragen in Form von Texten (ähnlich SQL) oder grafisch orientiert, syntaktisch richtig zu erstellen. Die Abfragen in Form von Texten als auch die grafisch orientierten Abfragen führen, allgemeine Kenntnis von Abfragelogiken vorausgesetzt, sehr schnell zum gewünschten Ergebnis. Näher darauf einzugehen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Vielleicht komme ich darauf in einem späteren Beitrag zurück. Die kompletten Funktionen sind in der Anwendung, im so genannten Image, abgelegt. Dieses wird in eine Art virtuelle Maschine geladen und stellt die generellen und die kundenspezifischen Funktionen zur Verfügung. Hier kommt dann wieder die GC ins Spiel, die als Entwicklungspartner von Smallworld Deutschland, diese Funktionen programmiert.

Der Leser mit etwas Erfahrung wird mir jetzt zurecht vorwerfen, dass diese Ausführungen nicht ganz fair sind. Wenn ich mich selber und die Community von QGIS bemühe, werde ich sicher mit einem gewissen Aufwand identische Funktionen für QGIS hinbekommen. Den Punkt, den ich hier herausarbeiten möchte, ist aber der Funktionsumfang der Datenbanken. Mit mehr oder weniger Aufwand kann ich jeder Applikationen mit einem entsprechenden Unterbau (Programmiersprache) die Funktionen beibringen, die ich benötige. Smallworld GIS trennt allerdings die Aufgaben der Datenhaltung und der Abfragefunktionen schärfer, als dies PostGIS tut. Auf der einen Seite haben wir eine reine Datenhaltung (jemand aus dem Smallworld Umfeld möge mir hier widersprechen, wenn das nicht so ist!!), während auf der anderen Seite OGC-konforme Funktionen bereitstehen, die ich in eine SQL-Abfrage einbauen kann.

Ich muss allerdings dazusagen, dass die Diskussion in meinen Augen weniger die Frage nach dem Besser oder Schlechter stelllt. Vielmehr geht es mir darum, unterschiedliche Philosophien aufzuzeigen. Wenn ich in meiner Datenbank keine oder nur sehr wenige Funktionen habe, die mir erlauben, Geodaten grafisch auszuwerten (z. B. MySQL), bleibt mir garnichts anderes übrig, als die Funktionen ausserhalb der Datenbank bereitzustellen. Habe ich eine Applikation, welche nahezu beliebige Datenquellen mit Geodaten öffnen kann, sollte ich mich auf darauf konzentrieren, die Basisfunktionen so zu entwerfen, dass ich diese auf alle diese Datenquellen anwenden kann. Hierzu zählen für mich Lese- und Schreibfunktionen von Sachinformationen und Geometrien. Sind in einer Datenquelle Geometrien vorhanden, möchte ich diese ggfs. auch verändern und wieder abspeichern. Solche Funktionen sollten dann immer bereitstehen.Sind in der Datenbank soviele Funktionen vorhanden, dass ich mehr Zeit darauf verwenden kann, die Sachinformationen für den Anwender in ansprechender und sinnvoller Weise darzustellen, sollte ich dies auch tun. Warum das Rad neu erfinden?

Hat man ein bestehendes GIS, stellt sich die Frage danach, wo die Funktionen zu finden sind, meist garnicht. Man kann bei der Auswahl nach einem neuen GIS aber auf diesen Punkt sein besonderes Augenmerk legen. Man sollte sich hier also die Fragen stellen:

  • Muss ich regelmäßig externe Datenbestände mit meinen eigenen Datenbeständen in Verbindung bringen?
  • Enthalten die externen Datenbestände Geodaten und stehen diese in einem Standarddateiformat zur Verfügung?
  • Kann ich über geeignete Software (ODBC-, JDBC- oder sonstige Treiber) externe Datenquellen bequem anbinden?

Sind das Punkte, die überwiegend zutreffen, könnte man die Funktionen auf Seiten der Applikation suchen und ausbauen. In dieser Kategorie sind IMHO spezielle GIS zu finden, die externe Daten benötigen, die weniger aus dem GIS-Umfeld stammen und sich häufig ändern.

  • Werden die externen Daten nur in größeren Zeitabständen aktualisiert?
  • Sind die Geodaten in sehr einfachen Dateiformaten verfügbar (z. B. Textformat)?
  • Lassen sich die externen Geodaten bequem in meine zentrale Datenbank importieren?

Sind das Punkte, die überwiegend zutreffen, könnte man nach einer performanten Datenbank suchen, die neben den Geometriedatentypen auch den größten Teil der Funktionen zur Verfügung stellt, die ich benötige.

Leider werden die Grenzen zwischen den Kategorien stark verwischt, wenn man in den Bereich der Webanwendungen kommt. Man kann seine Daten in geeigneter Weise auf einen vorhandenen Webkartendienst aufsetzen, und auch ohne viel Mühe einen eigenen Mapserver aufsetzen, der die speziellen Karten bereitstellt. Hier kann man auf beide Varianten zurückgreifen. Ich werde mich in einem späteren Beitrag speziell mit der Thematik der WEB-GIS-Anwendungen auseinanderstzen, weshalb ich hier die Ausführungen einfach bis dahin unterbreche.

Ein Fazit kann ich zu diesem Thema, wie schon erwähnt, also nicht wirklich geben. Ich kann dem interessierten Leser lediglich ein paar Punkte an die Hand geben, mit denen er in die Diskussion einsteigen kann, wo die Geodaten in dem speziellen Fall möglicherweise bessser aufgehoben sind. In konkreten Fällen versuche ich gerne, etwas Licht in die Situation zu bringen. Man kann aber genauso gut ein entsprechendes Forum besuchen oder ein beratendes Unternehmen wie die GC konsultieren.

QGIS (II)

Juli 24, 2007

Seit einiger Zeit ist auf der Seite der Programmierer ein neuer Release von QGIS zu bekommen (www.qgis.org) — nämlich die Version 0.8.1. Das ich das überhaupt ausdrücklich erwähne liegt daran, dass ich letztens versucht habe, einen WMS-Dienst (Kartenserver im Internet) anzubinden. Da ich selbst noch eine Version 0.7 im Einsatz hatte, suchte ich den Dateityp im „Öffnen“-Dialog vergeblich.

Ein Blick auf die Homepage von QGIS brachte die Lösung meines Problems. Ab der Version 0.8 wird das Einbinden eines WMS-Layers unterstützt und funktioniert sehr gut. Einige freie WMS-Server sind unter folgender Adresse im Internet zu finden: http://www.skylab-mobilesystems.com/ger/wms_serverlist.html. Zum Ausprobieren sollte einigs dabei sein.

Business Intelligence / Location Intelligence

August 4, 2006

Führen wir die Diskussion noch etwas weiter, müssen wir in diesem Zusammenhang zwangsläufig auch über Location Intelligence und Business Intelligence sprechen.

Mit Intelligence ist hier keinesfalls die mögliche Übersetzung „Intelligenz“ gleichzusetzen! Es handelt sich hier in diesem Zusammenhang um das Zusammentragen, Ordnen und Auswerten von verfügbaren Informationen, um daraus Schlüsse ziehen zu können.

Location Intelligence ist ein Begriff, der vom Softwarehaus MapInfo (mit gleichnamigem Produkt) gerne benutzt wird. Während sich die Begriffe aus dem Posting „Geomarketing / Business GIS“ entweder mehr um die internen Angelegenheiten des Unternehmens kümmern, oder fast zu 100% auf den Kunden ausgerichtet sind, erscheint mir die Location Intelligence eine Mischung aus diesen beiden Begriffen zu sein. Es werden sehr wohl die Daten über Kunden analysiert, aber nicht ausschließlich zum Zweck des gezielten Marketings. Vielmehr wird aus den Erkenntnissen auch auf neue Standorte von Filialen, Antennen o. ä. geschlossen. Wenn erstmal die wichtigsten Daten zusammengetragen sind, kann man mit der geeigneten Software auch Szenarien für die Zukunft entwerfen oder zumindest eine Prognose wagen, unter Einbeziehung aller relevanten Daten. Hierbei werden aber alle Daten georeferenziert bzw. geocodiert.

Einen Schritt weiter geht hier die Business Intelligence, die meiner Meinung nach alle bisher genannten Aspekte umfasst. Es werden gleichermaßen firmeninterne Informationen ausgewertet als auch Informationen über Kunden. Die Ergebnisse werden für die Überprüfung und Verfeinerung interner Unternehmensziele genauso genutzt, wie zu einem optimierten Kundenverhältnis (Werbung, Ermittlung von Neukunden).

Auf der folgenden Folie habe ich versucht die verschiedenen Aspekte eines GIS bezüglich der Schwerpunkte einzuordnen.

Aspekte des GIS (Chart)

Bitte anklicken für größeres Bild!

Das klassische GIS ist hier ganz klar in der Aufgabe der internen Bestandsverwaltung zu sehen. Durch die Weiterentwicklung der Systeme ist heute keine reine Kartographie mehr angestrebt. Wenn die Aspekte der Kartographie schmückendes — wenn auch notwendiges — Beiwerk sind und die Aktivitäten sehr kundenorientiert sind, würde ich von Geomarketing sprechen. Deshalb ist dieses rechts oben angeordnet. Sind die innerbetrieblichen Aspekte genauso wichtig, wie die zu den externen Kunden und fließen ökonomische Daten genauso in das System ein, wie raumbezogene Informationen, spricht man von einem Business GIS. Irgendwo dazwischen würde ich die Location Intelligence ansiedeln. Sie bemüht zwar auch Karten, um Informationen darzustellen, der innerbetriebliche Aspekt, sowie die Kartographie rücken aber etwas mehr in den Hintergrund. Der Begriff, der alle Aspekte solcher Werkzeuge zur innerbetrieblichen und kundenspezifischen Erkenntnisfindung zusammenfasst, ist in meine Augen die Business Intelligence. Da hier meiner Meinung nach zwar gleichermaßen betriebliche als auch den Kunden betreffende Informationen herangezogen werden, aber die kartographischen Daten zumindest quantitativ geringer sind, orden ich diesen Begriff etwas mehr auf der Seite der Ökonomie ein.

Wenn man das Ziel, welches man mit dem möglichen Einsatz einer solchen Software verfolgt, hier wiederfinden und einordnen kann, findet sich recht schnell die Kategorie von Software die man benötigt. Es handelt sich hier lediglich um einen Schwerpunkt der Software. Man sollte vor der endgültigen Entscheidung in Betracht ziehen, möglicherweise mehr als nur die gesetzen Ziele mit der Software abzudecken. Hierbei sind interne Controllingfunktionen angesprochen. Wenn man die Kunden georeferenziert hat, kann man ebensogut über Routingfunktionen die Touren des Vetriebs oder der Auslieferung optimieren. Zu den bisher nur angesprochenen Aspekten (Controlling usw.) später mehr.

QGIS (I)

Juli 28, 2006

QGIS (Quantum GIS) ist, wie erwähnt, ein freies GIS. Es ist eine Qt/C++ Anwendung (Anm.: und keine Java-Anwendung, wie ich zuvor behauptete. Dank nochmal an hotti! Geändert am 04.04.2007) und ist damit in jedem Betriebssystem einsetzbar, für das Qt verfügbar ist. Ob das auch für alle PlugIns gilt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich setzte QGIS unter Linux und unter Windows ein. Von der Herstellerseite (s. o.) lässt sich QGIS kostenlose herunterladen. Hier findet man auch die englische Dokumentation und die üblichen Foren, in denen man weitere Hilfe bekommen kann.

Die Installation läuft auf einem Windows-PC problemlos und schon nach wenigen Minuten kann man mit seinem ersten Projekt starten. Idealerweise hat man schon ein oder mehrere Shape-Files von den eigenen Daten. Wenn nicht, kann man sich eine Beispieldatei aus dem Internet besorgen. Googeln hilft! :-) Danach, würde ich vorschlagen, „spielt“ man erstmal mit dem System herum, um sich mit den Funktionen und der Oberfläche vertraut zu machen.
Die Oberfläche der Version 0.7.4 ‘Seamus’ ist auf deutsch verfügbar und stellt den Anwender vor keine großen Probleme sich zurechtzufinden. Eine deutsche Übersetzung der Anleitungen (Install-/User-Guide) wird für die Version 0.8 verfügbar sein. Für eine ausführliche Übersicht aller Funktionen sollte eine der Anleitungen herangezogen werden. Ich werde hier möglicherweise einen eingeschränkten Blick auf die Software haben, da ich nicht alle Funktionen benötige und dies kein Produkttest ist. ;-)

Ich lege, gemäß meiner Gewohnheit, erstmal ein zunächst leeres Projekt an. Dann öffne ich ein paar Shape-Files mit Straßen, Gebäuden und Flüssen. Diese werden vom System mit einer zufälligen Farbe angezeigt. Die lässt sich aber ändern und wird dann in der Projektdatei festgehalten. Sollen mehrere Leute auf dasselbe Projekt zugreifen, kann man die Projektdatei schreibgeschützt in einem allgemein zugänglichen Verzeichnis im Netzwerk ablegen. Ohne das Änderungen an den Einstellungen möglich sind, kann dann jeder mit dieser Datei arbeiten. Sind Änderungen an den Einstellungen in QGIS gewünscht, muss man sich über Alternativen unterhalten. So hat nur der Administrator die Möglichkeit neue Layer dauerhaft hinzuzufügen oder diese komplett aus dem Projekt zu entfernen.

Nach einiger Zeit reizt es mich doch zu sehr, die Datenbankanbindung zu testen. Aber wo krieg ich jetzt eine Tabelle für die Datenbank her? Nichts leichter als das! :-)
QGIS bietet eine Importschnittstelle für Shapefiles in eine PostGIS-Datenbank als Standard-PlugIn. Da hat doch mal einer mitgedacht. Gesagt, getan, habe ich meine drei Shapefiles in die Liste der zu importierenden Dateien eingefügt. In sehr kurzer Zeit sind die Daten eingelesen und stehen ab sofort unter PostgreSQL/PostGIS zur Verfügung.

Der Vorteil liegt auf der Hand: ich benutze jetzt die Daten, um Sie in QGIS anzuzeigen und evtl. auch geometrisch zu verändern. Möglicherweise sind in der Datenbank aber noch Tabellen abgelegt, die einen Bezug zu meinen Objekten haben — idealerweise über eine Art ID. Damit kann ich diese Daten ebenfalls heranziehen oder andere können — bei Kenntnis der SQL-Syntax — ihre Sachdaten in einen räumlichen Bezug setzen, ohne dafür QGIS zu benutzen.

Ein Beispiel:
Ich habe eine Tabelle mit den geografischen Informationen zu Gebäuden. Da diese Tabelle möglichst weit normalisiert — man könnte auch sagen: vereinfacht — ist, enthält sie keinerlei weitere Informationen als die Geometrie und eine eindeutige ID. Diese ID kommt ursprünglich aus einer Tabelle mit Sachdaten zu den Gebäuden. Ohne es bisher selbst getestet zu haben, soll man jetzt in PostgreSQL eine entsprechende Abfrage für einen View (eine Art dynamische Tabelle, basierend auf einer SQL-Abfrage) erzeugen können, der die Sachdaten mit den Geometriedaten auf Grund der ID verbindet. Wenn man jetzt den View zur Anzeige der Gebäude benutzt, müssten theoretisch beim Öffnen der Attributtabelle auch die Sachdaten angezeigt werden.
Auf der anderen Seite möchte ich einfach nur die Information haben, welche weiteren Objekte oder POI (Points Of Interest = interessante Ort, d. h. georeferenzierte öffentliche Einrichtungen, Geschäfte, Parks etc.) im Umkreis von z. B. 500m um mein Objekt herum zu finden sind. Da ich eine solche Tabelle in meiner Datenbank abgelegt habe, kann ich jetzt über eine geometerische SQL-Abfrage diese Objekte ermitteln und in einer Liste ausgeben lassen. Ich denke, man kann die Abfrage sicher noch so erweitern, dass man die Entfernung (Luftlinie) mit ausgeben kann. Wenn man jetzt in einer Tabellenkalkulation die Liste mit einer entsprechenden Funktion um eine Spalte erweitert, kann man sich beispielsweise diese Entfernung als Zeit für einen „Fussmarsch“ ausgeben lassen.

Möglichkeiten ohne Ende, wenn man erstmal die Tragweite solcher Informationen erkannt hat. Ich werde später weitere Ausführungen zum Umgang mit QGIS, PostGIS und PostgreSQL machen … versprochen! :-)

ca. 6:30 min / 4,5 Mb

Freie GIS Software oder Der Wert eines GIS

Juli 26, 2006

Neben den kommerziellen Produkten sind in den letzten Jahren auch freie GIS Systeme entwickelt worden. Diese stehen im allgemeinen als Open Source zur Verfügung. Manch einer mag jetzt schon denken: „Ach, lieber nicht!“.

Das aber ein System wie GRASS vom amerikanischen Militär entwickelt wurde, spielt hier eine wichtige Rolle. Man merkt GRASS zwar an, dass es nicht auf eine schöne Oberfläche abzielt, dafür ist die Funktionalität in der Auswertung rasterhafter Daten nahezu unschlagbar. GRASS wird erfolgreich für die Simulation von Hochwasser und Waldbränden eingesetzt. Schon der Beispieldatensatz (Spearfish) bringt dem testenden Anwender einen guten Einblick, was sich mit dem System alles anfangen lässt.

Für meine Zwecke besser geeignet sind die Systeme Jump/OpenJump und Quantum GIS, da sie Vektororientiert sind. Die Sachdaten einzelner oder einer Menge von Objekten werden tabellarisch angezeit. Jump/OpenJump hat eine Java-basierte Oberfläche, welche entweder mit einem eigenen Format für die einzelnen Layer arbeitet, oder aber bequem ESRI Shape-Files– um ein gängiges Format zu nennen– lesen kann. Quantum GIS hat eine Qt-basierte Oberfläche und besitzt ansonsten sehr ähnliche Funktionen wie Jump/OpenJump. Beide Systeme lassen sich auf den meisten gängigen Betriebssystemen installieren. Ebenso können von beiden Systemen (das gilt auch für das o. g. GRASS) PostGIS-Datensätze gelesen und angezeigt werden. Auf die Objektdaten kann dann in der Anwendung zugegriffen werden. Die Verbindung wird aus dem jeweiligen System heraus hergestellt. Die entsprechenden Layer werden wie jeder andere Layer in der Oberfläche/Workbench angezeigt. Die Datensätze können bei der Verknüpfung mit dem System mit einer Beschränkung auf SQL-Basis versehen werden, um aus einer großen Menge von Datensätzen gezielt solche herauszufiltern, die einem bestimmten Kriterium entsprechen.

Ich werde später noch auf jedes einzelne System eingehen. Die Anbindung an eine externe und freie Datenbank bietet dem Anwender eine große Flexibilität. Dieser Punkt trifft sehr wohl auch auf die kommerziellen Produkte zu, die Schnittstellen zu verschiedenen Datenbanksystemen bieten. Der Anwender kann auf einen zentral verwalteten und ebenso zentral gepflegten Datenbestand zugreifen. Hierzu muss er nicht zwangsläufig ein GIS bemühen, um an die Daten zu kommen. Rein alphanumerische Ergebnisse können erfahrungsgemäß durch geeignete Auswertetools schneller und komfortabler erzeugt werden. Aus der Postgres-Erweiterung PostGIS lassen sich sogar unmittelbar geometrisch Abfragen starten. Die Besonderheit eines GIS ist aber die Visualisierung der Daten und das Erkennen und Auswerten von räumlichen Zusammenhängen. Dies ist in rein sachdatenorientierten Systemen nicht oder nicht ohne weiteres möglich. Diese Systeme sind sicher sehr gut geeignet, um Sachdaten zu verwalten und unternehmerische Vorgänge abzubilden. Immer dann, wenn georeferenzierte Daten (d. h. beispielsweise mit Bezug zu einer Adresse oder Koordinate) ins Spiel kommen, kann man den vollen Wert dieser Daten nur ausschöpfen, wenn man räumlichen Zusammenhänge erkennen und auswerten kann.

Ich bin derzeit in der Wohnungswirtschaft beschäftigt und bin dort verantwortlich für das GIS. Neben dem SAP-System, was sicher sehr gut für alle wohnungswirtschaftlichen Belange auf Basis der Mieter- oder Gebäudedaten geeignet ist (z. B. Vermietung), ist der Nutzen eines GIS sehr groß. Da schätzungsweise 95% der Informationen in dieser Branche einen räumlichen Bezug haben, können diese Informationen in einem GIS auf geeignete Weise dargestellt werden. Angefangen bei den Flurstücken, Gebäuden und Katasterkarten als Basisdaten, können alle Informationen zu Verträgen, Belastungen und Besonderheiten (Denkmalschutz, Immisionsschadensverzichtsbereiche) nicht nur mit ihren Sachdaten, sondern auch lagerichtig abgebildet werden. Hier kann der Anwender auf einen Blick sehen, was bei dem Objekt ggfs. zu beachten ist. Ein großes Thema, welches in den letzten Jahren unheimlich an Gewicht gewonnen hat, ist die Abrechnung von Grünflächenpflege in den Nebenkosten. Damit sind alle pflegerischen Maßnahmen gemeint, die an den Aussenanlagen eines Gebäudes vorgenommen werden und i. d. R. durch einen Unternehmer ausgeführt werden: Rasenschnitt, Heckenschnitt, Baumschnitt; aber auch Reinigungsdienst und Winter-/Streudienst.

Alle diese Informationen sind – sobald sie erfasst sind – im System abrufbar und können angezeigt und ausgewertet werden. In der Nebenkostenabrechnung konnte jahrelang der Mengenansatz der Unternehmer, z. B. beim Rasenschnitt, nicht wirklich kontrolliert werden. Eine im GIS erfasste Rasenfläche kennt ihre Grösse auf den Quadratmeter genau. Diese Grösse lässt sich intern oder in einer externen Anwendung weiterverarbeiten, so dass für ein gesamtes Pflegequatier oder aber für einen einzelnen Mieter genauestens ermittelt werden kann, wie groß diese Fläche ist. Damit ist die Abrechnung gezielter und für den Mieter gerechter durchführbar. Die Ermittlung einer Flächensumme oder einer Teilfläche kann durch geeignete Abfragen durchgeführt werden und gibt dem Anwender mit hoher Genauigkeit die Zahlen und Werte, die er erwartet.

Durch die Anbindung z. B. von Postgres als externe Datenbank kann der Anwender seine Informationen im GIS ermitteln und ggfs. mit weiteren Non-GIS-Daten (z. B. wohnungswirtschaftliche Sachdaten) aus der Datenbank erweitern. Hierdurch wird es überhaupt erst möglich, für räumlich zusammenhängende Objekte qualifizierte Aussagen zu treffen. Solange wir uns z. B. innerhalb einer Straße bewegen, sollte dies für eine „normale“ Datenbank auch möglich sein. Das GIS bietet aber die Flexibilität Auswertungen für einen Bereich durchzuführen, der nicht durch geeignete alphanumerische Kriterien klassifiziert ist. Wirtschaftseinheiten, Quartiere, Siedlungen oder ähnliche raumbezogene Merkmale lassen sich alphanumerisch an die Objekte hängen. Diese können aber nur anhand einer Karte identifiziert werden und sobald man einen übergreifenden Bereich oder eine örtlich definierte Teilmenge benötigt unzulänglich sein.

Ich werde meine Ausführung zunächst hier abbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt einzelne von den o. g. Aspekten im Detail und mit Beispielen weiterführen.

ca. 7:40 min / 5,3 Mb

Dein GIS — das unbekannte Wesen

Juli 20, 2006

Manch einer macht sich garkeine Gedanken darüber, was ein GIS ist. Viele haben garkeinen Kontakt zu einer solchen Software. Trotzdem gibt es sicher viele, die ein GIS einsetzen könnten.

Aber Alles der Reihe nach! :-)

GIS steht zunächst einmal für Geografisches InformationsSystem. Eine solche Software kommt überall dort zum Einsatz, wo Informationen einem definierten Ort oder Raum zugewiesen werden können (georeferenzierte Daten). Ursprünglich wurden solche Systeme eingesetzt, um in der Industrie und Immobilienwirtschaft Leitungs- oder Gebäudebestände abzubilden. Mit der Weiterentwicklung der Systeme konnten dann auch planerische Aufgaben erledigt und strategische Aussagen getroffen werden. Systeme wie GE Smallworld GIS sind in erster Linie klassische Vertreter für die Gruppe der bestandsverwaltenden Systeme, mit dem man aber mittlerweile strategische Entscheidungen sehr gut treffen oder unterstützen kann. Ein System wie Grass war jeher der Forschung zugetan. Vom Militär entwickelt, enthält es eine Vielzahl von Werkzeugen, mit denen man Rasterdaten (z. B. Luftbildaufnahmen) auswerten kann. Die Schwerpunkte der beiden Systeme zeigen schon deutlich, dass sich die Aufgaben, die ein solches System erledigen kann deutlich unterscheiden. Auf der einen Seite Rasterkarten (Bitmaps) nur als Hilfe zur Orientierung und ansonsten vektororientierte Sachdatensätze. Auf der anderen Seite Vektoren oder neue Bitmaps als Ergebnis einer komplexen Auswertung von Rasterinformationen (z. B. Waldbrand- oder Hochwassersimulationen).

Smallworld als kommerzielles Produkt bringt einen hohen Kostenfaktor mit sich. Die Lizenzen und die Wartung sind nicht unbedingt preiswert. Dafür erhält man aber ein sehr umfangreiches System, das fast keine Wünsche offen lässt. Den Rest kann man programmieren. ;-)
OpenSource oder Freeware hingegen kann durch die teilweise sehr ausgereiften Funktionen und die Möglichkeit einer Anbindung an kommerzielle oder freie Datenbanken durchaus von Interesse sein. Auch wenn es um die Verwaltung großer Bestände oder Mengen von Kartenmaterial geht.

In den nächsten Beiträgen werde ich mich genauer über die einzelnen Systeme und deren möglichen Einsatz auslassen.

Ein GIS bringt normalerweise eine grafische Oberfläche, auch GUI genannt, mit sich. Hier kann der Anwender oder Administrator auf das System einwirken. Viele Systeme bringen heute ein AddOn oder eine Schnittstelle für eine webbasierte Oberfläche mit. Smallworld hat einen eigenen Webserver-Dienst, andere System können mit dem UNM Mapserver verbunden werden.
Jedes System arbeitet mit einer eigenentwickelten oder externen Datenbank (z. B. Oracle, PostGIS, MySQL) um Sachdaten verwalten zu können. Hierbei handelt es sich nicht immer um eine echte Datenbank. Manche Daten werden in ESRI Shapefiles abgelegt oder im GML/XML-Format gespeichert. Smallworld bringt eine eigene Datenbank mit sich, auf die man von ausseerhalb des GIS nur sehr schwer zugreifen kann. Andere Systeme setzen auf PostGIS oder Oracle Spatial. Sobald mehrere Anwender gleichzeitig auf die Daten zugreifen sollen, ist eine Client-Server-Architektur zumindest für die Daten(-banken) von Nöten.

Die nächsten Beiträge bringen dem interessierten Leser Hinweise und Ansätze, aus denen der Unterschied zwischen den unterschiedlichen Systemen besser hervorgeht.

In jedem Fall lohnt es sich für alle Unternehmen, die Daten mit einem räumlichen Bezug besitzen, mal genauer hinzusehen, ob eine solche Software den Umgang mit diesen Daten nicht erleichtern kann. Hierzu müssen bestehende Datenbank nicht zwangsläufig aufgelöst werden oder die Daten doppelt gehalten werden. Bei einer geschickten Integration wird sich der Freund von MS Access nicht von seinen Abfragen, Berichten und VBA Makros trennen müssen. Die anderen Mitarbeiter erhalten durch den Eisatz des GIS aber einen deutlich merklichen Mehrwert im Sinne einer Produktivitätssteigerung. Wobei ich im Zusammenhang von Computern dieses Wort nur sehr ungerne benutze.

Wenn man vom Bereich der Versorger und Immobilien zum Bereich des Geomarketings schaut, wird es vermutlich kein entsprechendes Unternehmen geben, was nicht zumindest ein in die Auswertetools integriertes GIS betreibt. Gerade diese Branche kann ohne mehr oder weniger gut georeferenzierte Daten nicht leben. Aber auch dazu später mehr.

ca. 6:00 min / 4,2 Mb