QGIS (I)

QGIS (Quantum GIS) ist, wie erwähnt, ein freies GIS. Es ist eine Qt/C++ Anwendung (Anm.: und keine Java-Anwendung, wie ich zuvor behauptete. Dank nochmal an hotti! Geändert am 04.04.2007) und ist damit in jedem Betriebssystem einsetzbar, für das Qt verfügbar ist. Ob das auch für alle PlugIns gilt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich setzte QGIS unter Linux und unter Windows ein. Von der Herstellerseite (s. o.) lässt sich QGIS kostenlose herunterladen. Hier findet man auch die englische Dokumentation und die üblichen Foren, in denen man weitere Hilfe bekommen kann.

Die Installation läuft auf einem Windows-PC problemlos und schon nach wenigen Minuten kann man mit seinem ersten Projekt starten. Idealerweise hat man schon ein oder mehrere Shape-Files von den eigenen Daten. Wenn nicht, kann man sich eine Beispieldatei aus dem Internet besorgen. Googeln hilft! :-) Danach, würde ich vorschlagen, „spielt“ man erstmal mit dem System herum, um sich mit den Funktionen und der Oberfläche vertraut zu machen.
Die Oberfläche der Version 0.7.4 ‚Seamus‘ ist auf deutsch verfügbar und stellt den Anwender vor keine großen Probleme sich zurechtzufinden. Eine deutsche Übersetzung der Anleitungen (Install-/User-Guide) wird für die Version 0.8 verfügbar sein. Für eine ausführliche Übersicht aller Funktionen sollte eine der Anleitungen herangezogen werden. Ich werde hier möglicherweise einen eingeschränkten Blick auf die Software haben, da ich nicht alle Funktionen benötige und dies kein Produkttest ist. ;-)

Ich lege, gemäß meiner Gewohnheit, erstmal ein zunächst leeres Projekt an. Dann öffne ich ein paar Shape-Files mit Straßen, Gebäuden und Flüssen. Diese werden vom System mit einer zufälligen Farbe angezeigt. Die lässt sich aber ändern und wird dann in der Projektdatei festgehalten. Sollen mehrere Leute auf dasselbe Projekt zugreifen, kann man die Projektdatei schreibgeschützt in einem allgemein zugänglichen Verzeichnis im Netzwerk ablegen. Ohne das Änderungen an den Einstellungen möglich sind, kann dann jeder mit dieser Datei arbeiten. Sind Änderungen an den Einstellungen in QGIS gewünscht, muss man sich über Alternativen unterhalten. So hat nur der Administrator die Möglichkeit neue Layer dauerhaft hinzuzufügen oder diese komplett aus dem Projekt zu entfernen.

Nach einiger Zeit reizt es mich doch zu sehr, die Datenbankanbindung zu testen. Aber wo krieg ich jetzt eine Tabelle für die Datenbank her? Nichts leichter als das! :-)
QGIS bietet eine Importschnittstelle für Shapefiles in eine PostGIS-Datenbank als Standard-PlugIn. Da hat doch mal einer mitgedacht. Gesagt, getan, habe ich meine drei Shapefiles in die Liste der zu importierenden Dateien eingefügt. In sehr kurzer Zeit sind die Daten eingelesen und stehen ab sofort unter PostgreSQL/PostGIS zur Verfügung.

Der Vorteil liegt auf der Hand: ich benutze jetzt die Daten, um Sie in QGIS anzuzeigen und evtl. auch geometrisch zu verändern. Möglicherweise sind in der Datenbank aber noch Tabellen abgelegt, die einen Bezug zu meinen Objekten haben — idealerweise über eine Art ID. Damit kann ich diese Daten ebenfalls heranziehen oder andere können — bei Kenntnis der SQL-Syntax — ihre Sachdaten in einen räumlichen Bezug setzen, ohne dafür QGIS zu benutzen.

Ein Beispiel:
Ich habe eine Tabelle mit den geografischen Informationen zu Gebäuden. Da diese Tabelle möglichst weit normalisiert — man könnte auch sagen: vereinfacht — ist, enthält sie keinerlei weitere Informationen als die Geometrie und eine eindeutige ID. Diese ID kommt ursprünglich aus einer Tabelle mit Sachdaten zu den Gebäuden. Ohne es bisher selbst getestet zu haben, soll man jetzt in PostgreSQL eine entsprechende Abfrage für einen View (eine Art dynamische Tabelle, basierend auf einer SQL-Abfrage) erzeugen können, der die Sachdaten mit den Geometriedaten auf Grund der ID verbindet. Wenn man jetzt den View zur Anzeige der Gebäude benutzt, müssten theoretisch beim Öffnen der Attributtabelle auch die Sachdaten angezeigt werden.
Auf der anderen Seite möchte ich einfach nur die Information haben, welche weiteren Objekte oder POI (Points Of Interest = interessante Ort, d. h. georeferenzierte öffentliche Einrichtungen, Geschäfte, Parks etc.) im Umkreis von z. B. 500m um mein Objekt herum zu finden sind. Da ich eine solche Tabelle in meiner Datenbank abgelegt habe, kann ich jetzt über eine geometerische SQL-Abfrage diese Objekte ermitteln und in einer Liste ausgeben lassen. Ich denke, man kann die Abfrage sicher noch so erweitern, dass man die Entfernung (Luftlinie) mit ausgeben kann. Wenn man jetzt in einer Tabellenkalkulation die Liste mit einer entsprechenden Funktion um eine Spalte erweitert, kann man sich beispielsweise diese Entfernung als Zeit für einen „Fussmarsch“ ausgeben lassen.

Möglichkeiten ohne Ende, wenn man erstmal die Tragweite solcher Informationen erkannt hat. Ich werde später weitere Ausführungen zum Umgang mit QGIS, PostGIS und PostgreSQL machen … versprochen! :-)

ca. 6:30 min / 4,5 Mb

7 Antworten to “QGIS (I)”

  1. hotti Says:

    Im Text wird erwähnt, dass QGIS eine Java Anwendung ist. Wenn es sich um das QGIS handelt, das ich meine, dann stimmt diese Aussage nicht. QGIS ist eine C++/QT Anwendung. Darum auch das Q vor dem GIS. Alles Aussagen zu QGIS in Verbindung mit Java sind meines erachtens völliger Nonsens.

  2. blazejak Says:

    Danke für diese nette, konstruktive und gut recherchierte Kritik. QGIS — welches wir dann wohl beide meinen — ist tatsächlich KEINE Java-Anwendung, sondern wie angemerkt eine Qt-Anwendung. Ich habe meinen Text entsprechend geändert … und den Kommentar nicht gelöscht. Allerdings stelle ich zur Diskussion, ob das Q im Namen QGIS von Qt oder dem ausgeschriebenen Namen ‚Quantum GIS‘ kommt. ;-)

  3. Kabeltrommel Says:

    Hi Blazejak!

    Super Sache mit Deinem GIS-Blog!
    Wenn man nach Qgis im deutschsprachigen Internet sucht, so kommt man um Deine Seite nicht drumherum. Du hast mich auch ein Bisschen auf diese Qgis-Sache gebracht… :-)
    Deswegen erlaube ich es mir auch einfach mal zwei Fragen zu stellen, die ich im Moment bei der Benutzung von Qgis habe… habe noch nicht viel gemacht, da es gerade etwas am grundsätzlichen scheitert…

    Also: ich habe mit dem GPS Messpunkte aufgenommen. Wenn ich mit dem GPS Plugin die Punkte herunterlade und dann als GPX-Datei abspeichere sind sie nicht wie in dem GPS-Gerät als UTM koordinaten angegeben sondern, als hddd.dddd Koordinaten. Und wie ich die Koordinaten in UTM umwandle habe ich noch nicht rausgefunden. Außerdem habe ich es nicht geschafft diese Daten mit den hddd.dddd Koordinaten sinnvoll zu plotten, weil ich dafür nicht die richtige Projektion finde. Die Punkte plotten alle innerhalb von einem Meter, obwohl sie eigentlich bis zu 100km auseinander sind.
    Hast Du dafür irgendeine Lösung parat? Für Linux habe ich auch noch kein anderes Programm gefunden, das mir viele Daten schnell von hddd.dddd auf UTM umrechnen kann.

    Und die zweite Sache: ich kann zwar zu einem Datensatz die Attributtabelle öffnen und auch bearbeiten, die beiden Köpfe „neue Attributspalte“ und „lösche Attributspalte“ bleiben aber grau und die Aktionen sind nicht durchführbar… bei Dir auch? Bug? oder wie macht man das?

    Vielen Dank im Vorraus schon mal für Deine Antwort.

    Gruß
    Kabeltrommel

  4. Kabeltrommel Says:

    Herr Blazejak scheint ja gerade sehr beschäftigt zu sein… :-)

    kommt Zeit kommt rat, so kann ich jetzt schon mal selber was dazuschreiben:

    zu eins:
    Die GPS-Daten konnte ich irgendwie gar nicht richtig darstellen… und habe trotz langer Spielereien auch keine Lösung gefunden. Ich hatte allerdings Version 9.2 installiert. Mit Version 8.0 hatte ich dann keine Probleme mehr –> Bug? keine Ahnung, auf jeden Fall geht das jetzt!

    zu zwei:
    Das scheint ein bekannter Bug zu sein. Muss man wohl die Attributtabelle in einem anderen Programm editieren…

    kann mensch nur hoffen dass das bald gelöst wird, sieht ja schon nicht so schön aus.

    so weit also die Ergebnisse der letzten zwei Wochen

    Gruß
    Verlängerungskabel

  5. blazejak Says:

    Tut mir leid, dass ich bisher nicht geantwortet habe. Bin bisher davon ausgegangen, dass meine regelmäßigen Leser eher die Suchmachinen sind! :-) Ich hatte letztens echt viel zu tun! Habe bis Ende März Prüfungen fürs Studium geschrieben. Vor zwei Wochen habe ich mein Notebook geschrottet. :-( Auf dem Ersatz schreibe ich gerade diesen Text und habe so langsam alles an Software (inkl. PostGIS und QGIS) wieder auf meinem Ubuntu 7.10 installiert. Soviel zu den letzten paar Wochen …

    Was ich für dein Problem wissen müsste, wäre zunächst mal welches GPS Du einsetzt.Ich selber benutze ein Garmin eTrex (das ganz einfache) und muss mich erstmal nach einem USB-Kabel umsehen. Mit der 0.9 Version von QGIS hatte ich bisher keine Probleme. Ich habe am Garmin und in QGIS immer WGS84 benutzt. Wie sieht es damit bei Dir aus?

  6. blazejak Says:

    Zum zweiten Fehler, mit den eingelesenen GPX-Daten, das muss ich wohl nochmal testen, wie ich das gemacht habe. Ich melde mich dann …

    Hast Du vielleicht etwas Zeit, um bei OpenStreetMap.org mitzumachen? Da werden ständig Freiwillige gesucht. Werde dort demnächst auch mal wieder was beitragen.

  7. Mehrfachstecker Says:

    Hi Blazejak,

    GPS ist bei mir auch so ein standard etrex Garmin Ding, das Legend. Ich will auch UTM in WGS84 darstellen und nehme das auch so im GPS auf. Sind denn in der Version 0.92 die Punkte dann richtig dargestellt, wenn Du sie vom GPS runterlädst? Wäre super, wenn Du das mal ausprobierst, vor allem wenn Du auch Ubuntu nutzt, weil es könnte ja sein, dass der Bug nur in dieser Kompilation vorliegt.

    OpenStreetMap finde ich total spannend. Habe bis jetzt noch nichts selber digitalisiert… das ist aber auf meiner to do liste ganz oben!!
    Grüße und Danke schon mal

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