OSM im Unternehmen

Dieses White Paper ist eine Art Diskussionspapier und ein wenig eine Fallstudie, in wieweit die OSM-Daten überhaupt und zu welchem Zweck eingesetzt werden könnten. Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Im Wesentlichen gebe ich hier meine Beobachtungen und meine Meinung wieder.

Warum OSM-Daten einsetzen?

Gehen Sie mit mir zurück in das Jahr 1999. Ein Unternehmen möchte ein GIS einführen. Abgesehen davon, dass es noch nicht so ganz viele GIS auf dem Markt gab, stellte sich doch die Frage: woher bekomme ich meine Kartengrundlage? Welche Alternativen hatte man? Zum Einen waren da die ALK-Daten. Die waren aber sehr teuer, zum Teil nicht flächendeckend verfügbar und noch nicht immer so genau, wie sie es gerne gewesen wären. Für den Zweck der Bestandsdokumentation (ich komme aus der Wohnungswirtschaft) reichte es aber auch, die Lizenz an analogem Kartenwerk zu erwerben, dieses zu scanne, zu georeferenzieren und dann als blattschnittloses Basiskartenwerk zu benutzen. Man nehme flächendeckend die TK10, die DGK5 und dort, wo man tatsächlich Objekte hat, die Flurkarten in 1:1000. Voila! Man konnte nahezu 80% der Kosten für die ALK sparen und war für seine Zwecke genauso gut bedient. Man konnte dann mit hinreichender Genauigkeit seine Objekte auf den Rasterkarten anlegen (digitalisieren) und es erschlossen sich auf einmal ungeahnte Möglichkeiten, diese Daten in ihrem geografischen Zusammenhang auszuwerten.

Vor fünf Jahren habe ich mich noch nicht getraut, jemandem die OSM-Karten schmackhaft zu machen. 2005 waren die Daten noch sehr lückenhaft und alles andere als flächendeckend. In dem Stadtteil, in dem ich wohne (Mitten im Ruhrgebiet) dachte ich zunächst, dass die Karte defekt sei. Ich sah nahezu nur weiße Bereiche. Mittlerweile hat sich da einiges geändert (in meinem Stadtteil und bei OSM allgemein). Ich antworte heute aber gerne auf die Aussage: “Hier gibt es aber noch keine Straßen!“ mit der Frage: “Warum hast Du sie dann noch nicht erfasst?“. Ich finde, dass drückt den Charakter des ganzen Projektes OSM aus. Es darf sich keiner über fehlende Daten beschweren, denn jeder ist eingeladen einfach mitzumachen. Mittlerweile findet sich immer ein Weg, die geloggten GPS-Daten in OSM zur Ferfügung zu stellen. Wer sie letztendlich fertigstellt, ist nebensächlich.

Es gibt also diese Daten in OSM. Ich möchte hier nochmal deutlich darauf hinweisen: OpenStreetMap ist nicht definiert als die Karte, die man beim Aufrufen der Seite des Projektes sieht. Vielmehr ist die Karte das Ergebnis eines Dienstes, der die erfassten Daten, als Karte aufbereitet, einem Renderer. Alleine hiervon gibt es auf der Startseite des Projektes schon drei Stück (hierzu zähle ich Mapnik, Osmarender und Radfahrkarte). Die Datengrundlage ist immer die Gleiche. Lediglich die Vorschrift, welches Element darzustellen ist und wie es dargestellt wird ist unterschiedlich. Neben diesen drei Renderern

Da die Daten frei sind — unter bestimmten Bedingungen — kann sie jeder kostenfrei und rechtlich einwandfrei benutzen. Soweit, so gut! Jetzt wird es aber möglicherweise bald eine neue Lizenz geben. Diese unterscheidet dann grob gesagt zwischen der Nutzung der Daten online und offline (in meiner eigenen Datenbank). Welche Einschränkungen die neue Lizenz bedeutet, werde ich in einem Artikel beschreiben, wenn die Lizenz ausgegoren ist.
Ich habe also plötzlich eine dritte Quelle, um an meine Basiskarten und noch einiges mehr (POI, Hausnummern, Straßen usw.) zu kommen. Und das kostenfrei. Von einigen Spezialfällen abgesehen (z. B. wenn amtliche Karten mit Flurstücksgrenzen notwendig sind), vertrete ich die Meinung, dass man die OSM-Daten aus Deutschland direkt als Basiskarte benutzen kann. Entschuldigung, wenn ich mich wiederhole, aber dort wo noch Daten fehlen, kann man dann etwas an die OSM Community zurückgeben: nämlich genau diese Daten!

Vollständigkeit

Man muss hier ganz deutlich sagen, dass dies nur eine länderspezifische Betrachtung sein kann. Eigentlich muss man die Betrachtung noch kleinmaßstäblichen ansetzen. Auf Gemeindeebene kann es hier schon deutliche Unterschiede im Engagement der Mapper (Anm.: Freiwillige, die Daten z. B. per GPS erfassen, oder diese kontrollieren, ergänzen und anreichern) geben. Auch wenn z. B. Deutschland eines der Länder mit sehr vollständiger Datenbasis ist, so gibt es doch ländliche Bereiche, die nahezu unbekannt sind. Das wirkt sich natürlich auch auf die Location Based Services wie z. B. OpenRouteService aus.

Qualität der Daten

Kartenanbieter, wie z. B. die großen Suchmaschinen, wehren sich mit dem Urheberrecht dagegen, dass Projekte wie OSM ihre Karten einfach “abzeichnen“. Das ist auch gut so! Nämlich aus zwei Gründen: die Daten sind bei weitem nicht so genau, wie diese Anbieter das gerne hätten und — gewollt oder nicht — gibt es schlicht und ergreifend falsche Daten in den Karten. Im Folgenden werde ich ein Beispiel dafür bringen, das seit Jahren bekannt ist, auf das ich Google auch schon hingewiesen haben (!), aber an dem sich bis heute nichts geändert hat oder man bewusst nichts ändern will. Ich werde hier nicht mit der Diskussion anfangen: „Unsere Daten sind besser als eure Daten!“. Ich will hier lediglich zeigen, das z. B. Google Maps nicht so hochwertige Daten hat, um mit dem Finger auf OSM zu zeigen.

Rainerstraße in Herne-Eickel, Google Maps Hier sieht man die Rainerstraße (L644) in Herne-Eickel. Bei Google Maps wird dieser Bereich der Straße mit dem Namen Praetoriusstraße versehen. Sucht man im Straßenverzeichnis von Herne nach dieser Straße, ist die Lage der echten Praetoriusstraße nicht einmal in der Nähe (Originalkarte). Quelle: Google Maps
Rainerstraße in Herne-Eickel, OSM Hier sieht man die Rainerstraße, so wie es sein soll in OpenStreetMap (Originalkarte). Quelle: OpenStreetMap

In der Vergangenheit — seit dem ich selbst über diesen Fehler gestolpert bin –haben andere Mapper versucht, diesen Straßenabschnitt von Rainerstraße wieder in Praetoriusstraße umzubenennen. Aus welchem grund auch immer … :).  Aber genau aus diesem Grund empfehle ich, auf amtlich Kartenwerke für die Kontrolle der Straßennamen bei der Nachbereitung der erfassten Daten zu vertrauen, sofern dies möglich ist. In NRW bietet sich hierzu z. B. folgender Dienst an: TIM-Online. Hier kann man seine eigenen erfassten Daten mit den amtlichen Daten der Katasterämter vergleichen. Manchmal ergeben sich aus der Örtlichkeit nicht immer die genauen Grenzen der Straßenbezeichnungen.

Offenheit

Die OSM-Daten stehen aktuell jedem Anwender offen zur Verfügung. Mit ein wenig Einarbeitung, kann man die Schnittstelle (XAPI) zur OSM-Datenbank bemühen, um die gewünschten Daten zu filtern und zu extrahieren. Mit den Hilfsprogrammen OSMOSIS oder OSM2PGSQL können die OSM-Daten dann z. B. in eine PostGIS-Datenbank überführt werden. Dabei muss man sich im Klaren darüber sein, dass eigene Daten, die mit den OSM-Daten vermischt werden, nur wieder zu den gleichen ursprünglichen Lizenzbedingungen veröffentlicht werden können. Das heißt, wenn ich die eigenen Daten mit denen aus OSM mische und veröffentliche, müssen diese Daten frei zugänglich sein und können von anderen Nutzern oder Einschränkung benutzt werden. Will man das umgehen, sollte man besser eine Lösung wie OpenLayers benutzen. Hier werden die Daten separat gehalten und man muss seine eigenen Daten nicht frei zugänglich machen. Man legt seine eigenen Daten in geeigneter Form über die OSM-Daten und stellt diese nur gemeinsam dar. Wie das z. B. in Joomla aussehen kann, habe ich hier beschrieben.

Also was jetzt?

Um jetzt wieder die Kurve zu bekommen, ist meine Empfehlung, dass jeder für sich prüfen sollte, ob er das Geld für verschlossene Datenquellen ausgeben möchte, oder ob die angebotenen Daten in OpenStreetMap vielleicht doch ausreichen. OpenStreetMap ist schließlich nicht nur eine Kartenbasis, die ich unter meine eigenen Daten legen kann. Die Daten sind teilweise mit Informationen angereichert, die in der Karte zwar nicht dargestellt werden, aber über die gewonnenen Daten via XAPI ausgewertet werden können.

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